«Wir wissen zum Beispiel, dass, wenn diese 7 Milliarden [restlichen, nicht-US-amerikanischen] Verbraucher Ihre Produkte nicht kaufen, es Arbeitslosigkeit geben wird und Ihre [die amerikanische] Wirtschaft (innerhalb der rassistischen Mauer) in einem solchen Ausmaß zusammenbrechen wird, dass Sie uns anflehen werden, diese hässliche Mauer niederzureißen.»
Des Weiteren plädiert der Brief für eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den USA und Mexiko. Allerdings ist der Ton des Schreibens auffallend scharf und undiplomatisch – ungewöhnlich für eine offizielle Stellungnahme der mexikanischen Regierung. Der Brief wird auf allen sozialen Kanälen verbreitet.
Bewertung
Der Brief ist nicht von der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum. Das bestätigt auch die mexikanische Botschaft in Berlin auf dpa-Nachfrage. Der identische Text kursiert bereits seit mindestens 2017 in Englisch in sozialen Medien.
Fakten
Weder auf der Homepage der mexikanischen Regierung, noch auf den offiziellen Social-Media-Kanälen von Claudia Sheinbaum (Facebook, X, Instagram) findet sich der Brief. Die mexikanische Botschaft in Berlin hat der dpa schriftlich bestätigt, dass der Text nicht von der Präsidentin stammt.
Aktueller Bezug
Mit dem Amtsantritt von Donald Trump am 20. Januar 2025 hat sich die US-Handelspolitik stark geändert. Seit dem 4. März gelten Zölle auf Produkte aus Mexiko und Kanada, trotz bestehender Freihandelsabkommen. Der US-Präsident hatte die Zölle bereits Anfang Februar 2025 angekündigt.
Einen Grund für die Zölle nennt Trump am 3. März in einem offiziellen Statement vom Weißen Haus: Darin wirft er der mexikanischen Regierung vor, eine «Allianz» mit dortigen Drogenkartellen zu bilden und deshalb nicht ausreichend gegen den Drogenschmuggel über die Grenze mit den USA vorzugehen. Darunter leide die Sicherheit und Gesundheit der US-Bevölkerung.
Die mexikanische Präsidentin reagierte empört auf die Vorwürfe des US-Präsidenten. Ihre Antwort ist allerdings nicht der verbreitete Post, sondern ein offizielles Statement.
Alter Kettenbrief wieder hervorgeholt
Der Wortlaut des Briefs ist nicht neu. Eine frühe Version kursiert bereits mindestens seit 2017 in englischer Sprache in sozialen Medien. Damals wurde er nicht Claudia Sheinbaum, sondern allgemein dem «Rest der Welt» zugeschrieben. Sheinbaum ist erst seit Oktober 2024 mexikanische Präsidentin.
Eine Textanalyse zeigt zudem eine Ungenauigkeit in der Bevölkerungszahl. Der Brief spricht von «7 Milliarden nicht-US-amerikanischen Verbrauchern». Laut UN-Daten lag die Weltbevölkerung im Juli 2024 bei 8,16 Milliarden Menschen, wovon etwa 345 Millionen US-Amerikaner sind. Das entspricht rund 7,8 Milliarden Menschen, die keine US-Bürger sind – also deutlich mehr als die im Brief genannten 7 Milliarden. Im Jahr 2017 lag die Zahl der Nicht-US-Amerikaner dagegen bei etwa 7,2 Milliarden, wodurch die damalige Rundung plausibler erscheint.
(Stand: 6.3.2025)
Links
Englische, archivierte Version des Briefs aus dem Jahr 2017
Freihandelsabkommen zwischen USA, Mexiko und Kanada (archiviert)
Weltbevölkerung 2024 (archiviert)
Weltbevölkerung 2017 (archiviert)
Homepage der mexikanischen Regierung (archiviert)
Claudia Sheinbaum auf Facebook (archiviert)
Claudia Sheinbaum bei X (archiviert)
Claudia Sheinbaum auf Instagram (archiviert)
Google Suche nach dem Brief auf Sheinbaums X Seite (archiviert)