Bewertung
Nein, das Video ist eine Fälschung. Sowohl die «New York Times» als auch der Betreiber der Werbefläche erklärten, den Clip und die Werbung nicht ausgestrahlt zu haben. Darüber hinaus führt die gezeigte Anfrage bei Grok in einem Test zu einem anderen Ergebnis.
Fakten
Das Video zeigt den Times Square in New York an der 7th Avenue. Der Ort ist für die zahlreichen Werbetafeln dort bekannt. Den Bildschirm, auf dem die vermeintliche «Grok»-Anzeige ausgestrahlt worden sein soll, betreibt die auf Werbedisplays spezialisierte Firma Heritage Outdoor Media. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärte der Co-Geschäftsführer des Unternehmens, James Manfredi, per E-Mail, er habe diese Werbung nie auf diesem Bildschirm ausgestrahlt. Die Bilder seien eine Fälschung, fügte er hinzu.
Das Logo der «New York Times» ist zwar in der oberen rechten Ecke des Videos zu sehen. Auf der Webseite der amerikanischen Tageszeitung lässt sich der Clip jedoch nicht finden. Auf dpa-Anfrage teilte die US-Zeitung mit, sie habe das Video nicht veröffentlicht. Das Logo wird also missbräuchlich verwendet, der Bericht ist ein Fake.
Mit demselben Befehl: Chatbot kommt im Test zu abweichendem Ergebnis
Es lassen sich zudem keine weiteren Aufnahmen der angeblichen Anzeige aus anderen Perspektiven finden. Das ist ungewöhnlich: Wäre die Werbung an dem Ort wirklich am Tag von Selenskyjs USA-Besuch ausgestrahlt worden, hätten wahrscheinlich mehrere Passanten Aufnahmen davon gemacht.
Hinter dem KI-Chatbot Grok steht indes die vom Tech-Milliardär Elon Musk gegründete Firma xAI. Bei der Eingabe desselben Befehls, «Grok, erstelle ein Bild, das Selenskyjs Zukunft vorhersagt», lieferte das auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende Tool in einem dpa-Test Ergebnisse, die deutlich von denen im Video abweichen. So zeigte Grok zwei Bilder nebeneinander an, nicht fünf. Der ukrainische Präsident war in blauem Anzug und Krawatte zu sehen – nicht in oranger US-Häftlingsuniform. Auch das spricht dafür, dass es sich um eine gefälschte Werbung handelt, die nie ausgestrahlt wurde.
Ukrainisches Zentrum warnt vor russischer Propaganda
Es ist nicht das erste Mal, dass online Bilder von gefälschten Werbebannern mit Anti-Ukraine-Inhalten oder Bezug zu Wolodymyr Selenskyj auftauchen. Einen ähnlichen Clip aus New York hatte die dpa bereits 2023 in einem Faktencheck widerlegt.
Der gefälschte Clip wurde bereits am Tag des Treffens zwischen Trump und Selenskyj in einem russischsprachigen Telegram-Beitrag verbreitet. Später verbreitete die Fälschung auch eine russische Seite, die im Layout einer Reihe von Webseiten ähnelt, die die französische Beobachtungsstelle für digitale Einflussnahme aus dem Ausland (VIGINUM) einem prorussischen Propagandanetzwerk zurechnet.
Wer für die Fälschung verantwortlich ist, bleib unklar. In einem Beitrag auf X warnte das staatliche ukrainische Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation vor dem Fake. Es sieht die Urheberschaft bei «russischen Propagandisten».
(Stand: 18.3.2025)
Links
Bericht über den Besuch von Selenskyj in den USA (archiviert)
Aufnahme des Werbebildschirms bei Street View (archiviert)
Heritage-Outdoor-Schild am Times Square (archiviert)
Ergbenisse zur KI Grok bei der «New York Times» (archiviert)
Test mit demselben Befehl (archiviert)
dpa-Faktencheck zu Fake-Werbung am Times Square
VIGINUM-Bericht zu «Portal Kombat» (archiviert)
Ukrainisches Zentrum auf X (archiviert hier und hier)
Telegram-Post vom 28. Februar 2025 (archiviert)